press & words | |
10.11.2009 - de | |
„Was weg ist, ist weg" | ||
Enkenbach-Alsenborn: Bildhauer-Workshop bei den Kulturtagen | ||
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Der rosarote Drachen schmiegt sich eitel an den öligen Lappen. „Uih", entsteigt ein seeliges Grummeln seiner Kehle. Oder stammt der Laut doch eher von Karin Täffler, die sich über ihr Erstlingswerk freut? Am Morgen war es noch ein unscheinbarer Speckstein und nun lacht sie ein kleiner Drache an. So schnell geht Kunst - jedenfalls beim Bildhauerworkshop der Enkenbach-Alsenborner Kulturtage. | ||
Die in Kanada geborene und inzwischen in Münchweiler lebende Künstlerin Esther Böhm gab am Wochenende zwei Tage lang Einblicke in die Kunst der Bildhauerei. Vier Frauen folgen ihren Anregungen und lassen individuelle Kunstwerke entstehen. Der kleine Drache war dabei gar nicht geplant. „Beim Vorformen mit Ton war er plötzlich da", sagt Karin Täffler, die aus Lust an etwas Neuem an diesem Workshop teilnimmt. Begeistert feilt und bohrt, schleift und ölt sie, um ihrem Kunstwerk die richtige Struktur zu verleihen. Immer wieder gleitet ihre Hand über den Speckstein, aus dem längst die Figur entstiegen ist. | ||
Kalt ist es im Arbeitsatelier, das in der Enkenbacher Hauptstraße unter den Ausstellungsräumen verschiedener Künstler liegt. Die Frauen merken jedoch nichts davon. Ihre Sinne richten sich alleine auf das Objekt, das vor ihnen liegt - und was daraus einmal werden soll. „Mir war gestern schon klar, ich will eine Eule", sagt Hengameh Kracht. Ihren Speckstein hat sie bereits mit Blick auf den geplanten Vogel ausgesucht. | ||
Der Stein lässt grüne Schattierungen erkennen. Nach und nach gibt er die Eule frei. Die Ludwigshafenerin, die mit Tochter Ariane am Workshop teilnimmt, hadert jedoch ein wenig mit dem Stein: Ein Stück bricht weg. Eine Augenpartie der Eule erscheint nun auf einmal kleiner. Die Bildhauerin Esther Böhm spendet Trost und mentale Hilfe. „Wer mit Stein arbeitet, muss wissen: Was weg ist, ist weg. Nun hilft nur neues Denken. Neues Einstimmen auf die Form", sagt sie und fügt aufmunternd hinzu: „Ein kleiner Fehler kann der Form zu einer ganz anderen Schönheit verhelfen." | ||
Wahre Worte! Genauer betrachtet sieht die Eule nun ungewollt viel naturgetreuer aus, scheint sie doch ihren Kopf ein bisschen zur Seite zu neigen. | ||
Während die Mutter den grünlichen Speckstein weiter in Richtung Eule bearbeitet, erfreut sich Tochter Ariane Kracht an einem kleinen schwarzen Brocken. Sie werkelt ohne Handschuhe und stellt erstaunt fest: „Das abgefeilte Material fühlt sich weich an, so ähnlich wie Seifenpulver." Einen Stein auf zwei Ebenen will sie schaffen, dafür feilt und schmirgelt sie. Ein Juchzer und alle Frauen eilen herbei, um zu schauen, was da so Schönes passiert ist: Arianes Material hat unerwartet feine Linien freigegeben. Sie fügen sich optimal ins Gesamtwerk ein. | ||
Auch Judith Hanka-Simgen, die einen hellen, gelb schimmernden Stein vor sich hat, ist mit sich und ihrer Bildhauerei voll und ganz im Reinen. „Mein Werk geht in Richtung abstrakte Kunst", sagt sie. „Da kann man besser mogeln." In der Tat unterscheidet sich ihr Tonmodell erheblich von dem, was nun aus Stein entstanden ist: Eine Skulptur mit einer tropfenförmigen Öffnung und einem angedeuteten Durchbruch: „Das Erlebnis, wie sich der Stein entwickelt, ist einzigartig." Jede Ecke, jede Linie, die sich durchs Feilen ergibt, findet ihren Zuspruch. | ||
Kursleiterin Böhm ist genauso begeistert von den Ergebnissen. Die Bildhauerin, die ihre eigenen Werke in Kanada, Neufundland, England und Deutschland ausgestellt hat, erklärt, dass man gerade beim Arbeiten mit Stein in einen Dialog mit seinem Material treten muss: „Ich versuche, in den Stein hineinzusehen und fühle, wie es sich entwickelt." | ||
Ihre Schülerinnen haben genau verstanden und blicken mit Stolz auf ihre bildhauerischen Kunstwerke, die am Morgen noch tief verborgen im Speckstein geschlummert haben. | ||
Von Doris Theato, RheinPfalz – Pfälzische Volkszeitung | ||